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Stalking

Beweise sichern, bevor Sie zur Polizei gehen

Von Dr. Andrea Stucki, Recht und VerwertbarkeitLesedauer 3 MinutenVeröffentlicht 16. September 2025Aktualisiert 27. Mai 2026

Bei akuter Gefahr ist die Polizei die erste Adresse, nicht ein Ermittlungsbüro und nicht ein Ratgeber. Dieser Text setzt danach an: Er geht darum, ein Muster von Belästigung so festzuhalten, dass eine Anzeige Substanz hat. Ein einzelner Vorfall lässt sich abtun. Ein dokumentiertes Muster nicht.

Warum das Muster zählt

Nachstellung lebt davon, dass jeder einzelne Vorfall für sich klein wirkt. Eine Nachricht, ein zufälliges Auftauchen, ein Anruf: einzeln lässt sich alles als Missverständnis darstellen. Erst die Dichte über die Zeit macht sichtbar, dass es kein Zufall ist. Genau deshalb ist die Dokumentation kein bürokratischer Aufwand, sondern das, was Ihrer Schilderung Gewicht gibt.

Führen Sie ein Vorfallsprotokoll

Legen Sie ein einfaches, fortlaufendes Protokoll an. Halten Sie für jeden Vorfall dieselben Punkte fest:

  • Datum und Uhrzeit,
  • Ort,
  • was genau geschehen ist, in knappen, sachlichen Worten,
  • wer dabei war und etwas mitbekommen hat,
  • was Sie getan haben.

Schreiben Sie zeitnah, solange die Erinnerung frisch ist, und deuten Sie nicht, sondern beschreiben Sie. Was eine Anzeige trägt, ist selten der einzelne Abend, sondern die nachvollziehbare Abfolge über Wochen.

Sichern Sie digitale Spuren

  • Bewahren Sie Nachrichten, Anrufe, E-Mails und Einträge in sozialen Medien im Original auf, statt sie nur zu beschreiben.
  • Machen Sie Screenshots, auf denen Datum, Uhrzeit und Absender sichtbar sind, und sichern Sie zusätzlich die Originale.
  • Löschen Sie nichts. Ein plötzlich leerer Verlauf schadet mehr, als er nützt.
  • Notieren Sie bei unterdrückten Nummern oder anonymen Profilen wenigstens die Zeitpunkte, so entsteht auch dort ein Muster.

Was Sie besser nicht tun

Reagieren Sie nicht, um „einen Beweis zu provozieren". Das kann die Lage verschärfen und die Sache verwischen. Antworten Sie nicht in der Hoffnung auf ein Geständnis. Löschen Sie Ihren eigenen Verlauf nicht, um sauber dazustehen. Und stellen Sie die Person nicht allein zur Rede, eine Konfrontation ist der Moment, in dem Situationen kippen.

Denken Sie an Ihre eigene Sicherheit

Dokumentieren ist wichtig, aber es geht nicht vor Ihrer Sicherheit. Prüfen Sie beiläufig, ob Ihr Standort geteilt wird oder ein gemeinsames Konto Einblick gibt. Nutzen Sie für heikle Schritte ein Gerät, auf das die andere Person keinen Zugriff hat. Verhalten Sie sich nach Möglichkeit unauffällig, statt sichtbar alles umzustellen, denn auch das kann eine Reaktion auslösen.

Beziehen Sie Menschen ein

Vertrauen Sie sich Personen an, denen Sie glauben können, und die im Zweifel als Zeugen etwas gesehen haben. In der Schweiz gibt es Opferberatungsstellen, die früh und kostenlos unterstützen, auch bei der Frage, was überhaupt brauchbar ist und wie es weitergeht. Sie müssen das nicht allein tragen.

Wann Sie weitergehen

Mit einem dokumentierten Muster hat eine Anzeige mehr Gewicht. Bei akuter Gefahr warten Sie damit nicht. Eine Fachstelle oder ein spezialisiertes Büro kann helfen, das Gesammelte zu ordnen und in eine Form zu bringen, mit der Behörden arbeiten können.

Das Ziel ist, dass am Ende nicht Aussage gegen Aussage steht, sondern ein durchgängiger, sachlicher Nachweis. Dokumentieren Sie früh, bleiben Sie sachlich, behalten Sie die Originale. Und bei Gefahr warten Sie nicht.